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Intraday-Handel

Intraday-Handel ist der kurzfristige Stromhandel zwischen der Day-Ahead-Auktion und dem Lieferbeginn. Er dient dazu, Abweichungen zwischen Prognosen und tatsächlicher Erzeugung/Last bis kurz vor Lieferung (je nach Markt: bis wenige Minuten vorher) auszubalancieren.

Im Intraday-Markt kaufen oder verkaufen Marktteilnehmer (z. B. Versorger, Direktvermarkter, große Verbraucher) kurzfristig Strom, wenn sich Wetter, Anlagenverfügbarkeit oder Nachfrage ändern. Gehandelt wird kontinuierlich über ein Orderbuch und teils in zusätzlichen Intraday-Auktionen; Produkte umfassen je nach Marktstunden, 30- oder 15-Minuten-Kontrakte. Ziel ist, Fahrpläne anzupassen und die Abweichungen im Bilanzkreis (energetisches „Konto“ eines Marktteilnehmers) zu minimieren. Intraday-Preise reagieren empfindlich auf neue Informationen und Engpässe, sind daher oft volatiler als Day-Ahead-Preise. Nicht ausgeglichene Restabweichungen werden später über Ausgleichsenergie abgerechnet.

Beispiel aus der Praxis:

Ein Solarpark hat für 12:00–13:00 Uhr 5 MWh verkauft. Kurzfristig ziehen Wolken auf; die neue Prognose liegt bei 3 MWh. Der Vermarkter kauft im Intraday 2 MWh zurück, damit der Fahrplan wieder passt. Entsteht umgekehrt Mehrerzeugung, kann er die überschüssige Menge im Intraday verkaufen. Was bis zur Markt-Schließzeit (Gate Closure) offen bleibt, geht als Abweichung in die Ausgleichsenergie.

Abgrenzung & verwandte Begriffe:

  • Day-Ahead-Markt: Vortagsauktion als zentrale Preisreferenz; Intraday korrigiert diese Planung.
  • Ausgleichsenergie / Bilanzkreis: Finanzielle Abrechnung für Planabweichungen; Intraday-Handel dient der Vermeidung bzw. Reduktion.
  • Intraday (kontinuierlich) vs. Intraday-Auktionen: Laufender Handel im Orderbuch vs. diskrete Zusatzauktionen.
  • Market Coupling / XBID: Europäische Kopplung ermöglicht grenzüberschreitenden Intraday-Handel (technischer Rahmen, kein Produkt).
  • Redispatch / Regelenergie: Systemdienstleistungen zur Netzstabilisierung; kein Ersatz für eigene Intraday-Absicherung.

Häufige Missverständnisse:

  • „Intraday ersetzt gute Prognosen.“ – Er ergänzt sie nur; ohne solide Prognosen steigen Kosten und Risiken.
  • „Intraday ist immer günstiger als Ausgleichsenergie.“ – Nicht garantiert; hängt von Liquidität, Zeitpunkt und Preissituation ab.
  • „Handel geht bis zur letzten Sekunde.“ – Es gibt feste Gate-Closure-Fristen je Produkt/Zone.
  • „Nur Großkraftwerke handeln intraday.“ – Auch Wind-/PV-Parks, Speicher oder aggregierte Kleinanlagen können teilnehmen (über Direktvermarkter/Aggregatoren).