Kurzdefinition
- Messlokation: Technischer Messpunkt, an dem elektrische Energie gemessen wird (z. B. Stromzähler). Sie wird über eine Messlokations-ID bzw. Zählpunktbezeichnung identifiziert und dient der Erfassung von Energieflüssen.
- Marktlokation: Kaufmännisch-bilanzieller „Ort“ im Energiemarkt, an dem Energie erzeugt oder verbraucht wird (z. B. Wohnung, Windpark, PV-Anlage). Sie wird über eine Marktlokations-ID (MaLo-ID) eindeutig identifiziert und ist Basis für Lieferverträge, Bilanzierung und Abrechnung.
Markt- und Messlokation beschreiben also unterschiedliche Ebenen:
Marktlokation = Ort im Marktmodell, Messlokation = Ort der Messung.
Messlokation – technischer Messpunkt
Die Messlokation steht für den Punkt im Netz, an dem der Energiefluss technisch gemessen wird. Dazu gehören alle Einrichtungen, die nötig sind, um Messwerte zu erfassen und zu übermitteln – typischerweise der Stromzähler inklusive dazugehöriger Technik.
Wichtige Merkmale:
- misst Verbrauch, Erzeugung oder beides (bei Zweirichtungszählern),
- ist rein technisch gedacht, nicht kaufmännisch,
- wird über eine Messlokations-ID bzw. Zählpunktbezeichnung eindeutig identifiziert,
- jede physische Messeinrichtung (jeder Zähler) ist eine eigene Messlokation.
Beispiel:
In einem Mehrfamilienhaus hat jede Wohnung einen eigenen Stromzähler. Jeder dieser Zähler ist eine Messlokation. Zusätzlich kann es einen weiteren Zähler für den Gesamtverbrauch des Hauses geben – ebenfalls eine Messlokation.
Marktlokation – bilanzielle Entnahme- oder Einspeisestelle
Die Marktlokation beschreibt den „Ort“ im energiewirtschaftlichen Sinn, an dem Energie kaufmännisch-bilanziell zwischen Netz und Kunde/Anlage übergeben wird.
Wichtige Merkmale:
- steht immer für eine Entnahmestelle (Verbrauch) oder Einspeisestelle (Erzeugung),
- Grundlage für Bilanzkreiszuordnung, Lieferantenwechsel und Abrechnung,
- wird über die Marktlokations-ID (MaLo-ID) eindeutig identifiziert,
- eine MaLo-ID ist dauerhaft einer Marktlokation zugeordnet und ändert sich i. d. R. auch bei Lieferanten- oder Netzbetreiberwechsel nicht.
Typische Beispiele für Marktlokationen:
- eine einzelne Wohnung,
- ein Einfamilienhaus,
- ein gesamtes Werksgelände,
- eine PV-Dachanlage,
- ein BHKW oder eine Batterieanlage.
Die Begriffe Markt- und Messlokation wurden im Zuge von MaKo 2020 eingeführt, um die Marktkommunikation zu vereinheitlichen und ältere Begriffe wie „Lieferstelle“, „Entnahmestelle“ oder „Zählpunkt“ zu ersetzen.
Beispiel: Mehrfamilienhaus
Ein Mehrfamilienhaus zeigt den Unterschied anschaulich:
- Für jede Wohnung existiert ein eigener Stromzähler → das sind Messlokationen.
- Zusätzlich gibt es häufig einen Hauptzähler für den Gesamtverbrauch des Hauses (inkl. Allgemeinstrom, z. B. Treppenhausbeleuchtung, Aufzug). → ebenfalls eine Messlokation.
Auf Marktebene:
- Jede Wohnung ist eine eigene Marktlokation (separate Belieferung/Abrechnung),
- der Allgemeinstrom (Treppenhaus, Keller, Außenbeleuchtung) ist meist eine weitere Marktlokation.
Der Verbrauch für Allgemeinstrom wird häufig so ermittelt:
Gesamtverbrauch des Hausanschlusses
minus Summe der Wohnungsverbräuche
gleich Verbrauch Allgemeinstrom.
Damit nutzen mehrere Messlokationen ihre Daten, um unterschiedliche Marktlokationen korrekt abzurechnen.
Beziehungen zwischen Markt- und Messlokation
In der Praxis treten drei wesentliche Beziehungsarten auf, die auch in offiziellen Dokumenten beschrieben sind:
1:1 – eine Marktlokation, eine Messlokation
- Beschreibung: Eine Marktlokation wird von genau einer Messlokation gemessen.
- Beispiel: Ein Einfamilienhaus mit einem einzigen Stromzähler.
In einfachen Fällen kann die Identifikation für Markt- und Messlokation sogar identisch sein, solange keine zusätzlichen Messpunkte hinzukommen.
1:n – eine Marktlokation, mehrere Messlokationen
- Beschreibung: Eine Marktlokation nutzt Messwerte aus mehreren Messlokationen, die zusammengefasst oder verrechnet werden.
- Beispiele:
- Industriekunde mit zwei Netzanschlusspunkten, beide Messungen gehören bilanziell zu einer Marktlokation.
- Mehrfamilienhaus mit Hauptmessung und einer oder mehreren Untermessungen; für die Marktlokation wird die Energie aus mehreren Zählern rechnerisch kombiniert.
n:1 – mehrere Marktlokationen, eine Messlokation
- Beschreibung: Eine Messlokation liefert Messwerte, die für mehrere Marktlokationen benötigt werden.
- Typisches Beispiel: Zweirichtungszähler im Einfamilienhaus mit PV-Anlage:
- eine verbrauchende Marktlokation für den Haushaltsstrom,
- eine erzeugende Marktlokation für die PV-Einspeisung,
- eine Messlokation (Zweirichtungszähler), die sowohl Bezug als auch Einspeisung misst.
Identifikationsnummern in der Praxis
- MaLo-ID (Marktlokations-ID):
- besteht aus 11 Ziffern,
- wird vom Netzbetreiber vergeben,
- bleibt dauerhaft stabil, solange die Marktlokation existiert,
- ist auf Rechnungen, Verträgen und im Kundenportal zu finden.
- Messlokations-ID / Zählpunktbezeichnung:
- identifiziert den konkreten Zähler bzw. die Messlokation,
- es gibt eine eigene ID für jede Messlokation, auch wenn mehrere Zähler zu einer Marktlokation gehören,
- ebenfalls auf Vertrag, Rechnung oder Zähleretikett ersichtlich.
Warum die Unterscheidung wichtig ist
Für alle energiewirtschaftlichen Prozesse – insbesondere:
- Lieferantenwechsel,
- Bilanzkreiszuordnung,
- Abrechnung von Verbrauch und Einspeisung,
- Direktvermarktung und EEG-/KWKG-Abrechnung,
ist es entscheidend zu wissen:
- Wo im Marktmodell Energie bilanziert wird (Marktlokation) und
- Wo sie technisch gemessen wird (Messlokation).
Gerade bei Anlagen mit Erzeugung (PV, Wind, BHKW, Speicher) und komplexeren Liegenschaften (Gewerbe, Quartiere, Mehrfamilienhäuser) wird diese Trennung zur Voraussetzung für korrekte Bilanzierung und transparente Abrechnung.
Häufige Missverständnisse
- „Marktlokation = Zählernummer“
Falsch. Die Marktlokation wird über die MaLo-ID, der Zähler über die Messlokations-ID/Zählpunktbezeichnung identifiziert. - „Eine Marktlokation hat immer nur einen Zähler“
Nicht zwingend. Über 1:n-Beziehungen können mehrere Messlokationen einer Marktlokation zugeordnet sein (z. B. Haupt- und Untermessungen). - „Erzeugung und Verbrauch brauchen immer getrennte Zähler“
Nein. In n:1-Konstellationen misst ein Zweirichtungszähler sowohl Bezug als auch Einspeisung, die dann unterschiedlichen Marktlokationen zugeordnet werden.