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Regelenergie

Regelenergie ist die kurzfristig aktivierte Strommenge, mit der Übertragungsnetzbetreiber Abweichungen zwischen Erzeugung und Verbrauch ausgleichen, um die Netzfrequenz bei 50 Hz zu halten. Sie wird von vorqualifizierten Anlagen bereitgestellt und bei Bedarf automatisch oder manuell abgerufen.

Zur Stabilisierung des Stromsystems beschaffen Übertragungsnetzbetreiber vorab Leistungsvorhaltung („Regelleistung“) und rufen bei Abweichungen die dazugehörige Energie („Regelenergie“) ab. Man unterscheidet drei Stufen: FCR/Primärregelung reagiert automatisch binnen Sekunden, aFRR/Sekundärregelung stellt binnen Minuten automatisch nach, mFRR/Minutenreserve (tertiär) wird manuell disponiert und innerhalb von rund 15 Minuten wirksam. Es gibt jeweils positive (Mehrerzeugung/Lastreduktion) und negative (Wenigererzeugung/Lastanhebung) Richtungen. Teilnehmende Einheiten reichen von Großkraftwerken bis zu Batterien, Wind-/PV-Parks oder Lasten, meist gebündelt über Aggregatoren. Abgerechnet wird getrennt nach Bereitstellung (Kapazität) und tatsächlicher Aktivierung (Energie).

Beispiel aus der Praxis:

Eine 10-MW-Batterie ist für aFRR präqualifiziert. Fällt die Netzfrequenz, sendet der Netzbetreiber einen Abruf; die Batterie speist binnen Minuten bis zu 10 MW ein und meldet Leistung sowie Ladezustand zurück. Nach Stabilisierung fährt sie automatisch auf den Ausgangszustand zurück.

Abgrenzung & verwandte Begriffe:

  • Regelleistung vs. Regelenergie: Leistung = vorgehaltene Reserve; Energie = tatsächlich aktivierte Arbeit.
  • Ausgleichsenergie: Preisliche Abrechnung von Bilanzkreisabweichungen; nutzt u. a. aktivierte Regelenergie, ist aber kein eigener Regelenergiemarkt.
  • Redispatch: Umlenkung von Erzeugung wegen Netzengpässen; dient nicht der Frequenzhaltung.
  • FCR / aFRR / mFRR: Europäische Bezeichnungen für Primär-, Sekundär- und Minutenreserve.

Häufige Missverständnisse:

  • „Regelenergie ist normaler Stromhandel.“ – Nein, es handelt sich um eine Systemdienstleistung mit technischen Mindestanforderungen und Vorqualifikation.
  • „Regelenergie verhindert jeden Stromausfall.“ – Sie stabilisiert die Frequenz im Normalbetrieb; Netzstörungen durch Leitungsfehler erfordern zusätzliche Maßnahmen.
  • „Nur Großkraftwerke können teilnehmen.“ – Auch Speicher, flexible Verbraucher und EE-Anlagen können – bei erfüllten Anforderungen – Regelenergie erbringen.