Im Day-Ahead-Markt wird Strom für jede Stunde des folgenden Kalendertags am Vortag versteigert. Der gebildete Preis dient als zentrale Referenz für Planung und Beschaffung in Europa; er kann je nach Angebot und Nachfrage auch negativ sein.
Der Day-Ahead-Handel läuft überwiegend als Auktion: Marktteilnehmer geben für jede Stunde des nächsten Tages Kauf- und Verkaufsgebote ab; aus allen Geboten wird ein einheitlicher Marktpreis je Gebotszone („Uniform Pricing“) ermittelt. Grundlage sind Prognosen zu Verbrauch, Wetter und Erzeugung (z. B. Wind, PV) sowie geplante Kraftwerksverfügbarkeiten. Neben stündlichen Produkten gibt es Blockgebote (zusammenhängende Stunden), Peak/Baseload-Blöcke oder gekettete Blöcke. Der Day-Ahead-Preis ist ein wichtiger Orientierungswert für Intraday- und Terminmärkte und beeinflusst Einsatzplanung und Fahrpläne. Durch europäische Marktkopplung kann grenzüberschreitender Handel Engpässe berücksichtigen und die Preisbildung zwischen Ländern verknüpfen.
Beispiel aus der Praxis:
Ein Stadtwerk prognostiziert für morgen zwischen 08:00–09:00 Uhr einen Bedarf von 10 MWh. Es gibt ein Kaufgebot bis 72 €/MWh ab. Wird der Auktionspreis bei 68 €/MWh festgestellt, erhält das Stadtwerk die 10 MWh zu 68 €/MWh. Weicht der tatsächliche Verbrauch später ab, wird die Differenz am Intraday-Markt gehandelt oder über Ausgleichsenergie bilanziell ausgeglichen.
Abgrenzung & verwandte Begriffe:
- Intraday-Handel: Handel ab Auktionsschluss bis kurz vor Lieferung; kontinuierlich oder in weiteren Auktionen, um Prognosefehler zu korrigieren.
- Ausgleichsenergie / Bilanzkreis: Finanzielle/physische Abrechnung von Abweichungen zwischen Fahrplan und tatsächlicher Einspeisung/Entnahme.
- Terminmarkt (Futures/Forwards): Langfristige Preisabsicherung (Wochen, Monate, Jahre) statt Beschaffung für den Folgetag.
- Redispatch / Regelenergie: Netz- und Systemdienstleistungen zur Stabilisierung; kein Markt für die planmäßige Beschaffung des Folgetags.
Häufige Missverständnisse:
- „Alle zahlen ihren Gebotspreis.“ – Abgerechneter Preis ist der einheitliche Markträumungspreis je Stunde und Zone, nicht das individuelle Gebot.
- „Erneuerbare müssen immer Day-Ahead verkaufen.“ – Sie können auch über PPAs, direkte Liefermodelle oder intraday vermarkten.
- „Negative Preise sind Fehler.“ – Sie spiegeln Überschüsse (z. B. viel Wind/PV, geringe Nachfrage) und Anreize zur Flexibilisierung wider.
- „Day-Ahead deckt alle Risiken ab.“ – Mengen- und Profilabweichungen bleiben und werden intraday oder über Ausgleichsenergie geregelt.